Am Dienstag, den 25. November 2025, war es soweit: Galatasaray Istanbul sicherte sich mit einem 2:0-Heimsieg gegen Royal Union Saint-Gilloise die Teilnahme an der KO-Phase der UEFA Champions League 2025. Der entscheidende Treffer fiel in der 78. Minute – und plötzlich war alles anders. Nach einer langen Phase der Unsicherheit, die mit dem Debakel gegen Eintracht Frankfurt begann, hatte der türkische Rekordmeister in den letzten drei Spielen nur gewonnen: 1:0 gegen FC Liverpool, 3:1 gegen Bodø/Glimt und 3:0 gegen Ajax Amsterdam. Jetzt, mit 12 Punkten, war die Qualifikation für die Top 24 kein Traum mehr – sie war Realität. Die Fans im Ali Sami Yen Spor Kompleksi konnten es kaum fassen. Einige weinten. Andere sangen seit der 60. Minute ununterbrochen den Klub-Chor.

Ein Spiel, das die Tabelle veränderte

Bevor der Ball überhaupt rollte, stand fest: Dies war kein gewöhnliches Gruppenspiel. Galatasaray brauchte nur einen Sieg, um praktisch sicher in die nächste Runde einzuziehen. Der Belgier Union Saint-Gilloise hingegen, mit nur vier Punkten auf Platz 28, musste gewinnen – und auch dann noch hoffen, dass andere Ergebnisse günstig ausfielen. Die Druckverhältnisse waren ungleich. Der Trainer von Galatasaray, Okan Buruk, hatte vor dem Spiel gesagt: "Wir können jetzt unser erstes Ziel erreichen. Danach geht es um die Top 8." Es klang bescheiden. Es war eine Strategie. Und sie funktionierte.

Die Mannschaft ohne ihre Stars

Was die Leistung von Galatasaray besonders beeindruckend machte: Sie spielten fast komplett ohne ihre wichtigsten Spieler. Victor Osimhen fehlte mit einer Oberschenkelverletzung, Wilfried Singo und Mario Lemina waren ebenfalls verletzt. Noch schwerer wogten die Sperren: Eren Elmalı saß eine 45-Tage-Sperre ab, Metehan Baltacı eine neunmonatige – beide im Zusammenhang mit dem laufenden Wettskandal im türkischen Fußball. Die Mannschaftsformation war eine Mischung aus Erfahrung und Jugend: Ilkay Gündogan (der frühere deutsche Kapitän) spielte zentral, Ciro Immobile – nein, entschuldigung, Icardi – war der Spitzenspieler. Der Torhüter Çakır ersetzte den verletzten Güvenc und blieb bis zum Schluss unerreicht.

Die ersten 30 Minuten waren ein Spiel der Kontrolle ohne Gefahr. Galatasaray passte sich die Bälle zu, aber kein Schuss traf das Tor. Union Saint-Gilloise verteidigte tief, konzentriert, fast ängstlich. Immer wieder verlor der Belgier den Ball in der eigenen Hälfte – doch jedes Mal rettete eine glückliche Abwehr oder ein falscher Pass. Es war kein schönes Spiel. Aber es war ein wichtiges.

Die Wendung: Ein Eckball und ein Kopfball

Die Entscheidung kam unerwartet. In der 78. Minute, nach einem linken Eckball von Gündogan, sprang Mert Hakan Yandaş höher als alle anderen – und köpfte den Ball ins Netz. Der Laut im Stadion war ohrenbetäubend. 1:0. Fünf Minuten später, in der 83., traf Cengiz Ünder nach einem schnellen Konter. Ein Flachpass, ein Dribbling, ein Schuss ins untere Eck. 2:0. Die letzten zehn Minuten waren ein Triumphzug. Union Saint-Gilloise, erschöpft, verunsichert, versuchte noch einen Angriff – doch der Ball blieb in der eigenen Hälfte hängen. Der Schiedsrichter pfiff ab. Endstand: 2:0.

Was das bedeutet: Ein neues Kapitel für Galatasaray

Diese Qualifikation ist mehr als ein sportlicher Erfolg. Es ist ein Signal. Nach Jahren der Krise, der Trainerwechsel, der Skandale – jetzt hat Galatasaray wieder eine klare Richtung. Die Fans haben lange auf so etwas gewartet. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie auch ohne ihre Stars gewinnen kann. Und der Trainer, Okan Buruk, hat seine Philosophie unter Beweis gestellt: Disziplin, Organisation, Geduld. Die nächste Herausforderung? Die Gruppenphase der Top 24. Dort warten Mannschaften wie Bayer Leverkusen oder Manchester City – beide mit 15 Punkten. Aber Galatasaray ist jetzt ein anderer Gegner. Sie haben den Mut, den sie vor drei Monaten noch verloren hatten.

Union Saint-Gilloise: Eine Niederlage, aber kein Ende

Für die Belgier ist die Niederlage bitter, aber nicht endgültig. Mit vier Punkten sind sie noch nicht aus dem Rennen. Sie brauchen jetzt zwei Siege in den letzten beiden Spielen – und Glück bei den anderen Ergebnissen. Doch die Leistung gegen Galatasaray zeigte: Sie können verteidigen. Sie können organisieren. Sie haben die mentalen Ressourcen, um noch zu kämpfen. Ihr Trainer, Dennis van Wijk, sagte nach dem Spiel: "Wir haben alles gegeben. Es ist schwer, aber wir glauben an den letzten Kampf."

Was kommt als Nächstes?

Galatasaray reist am 10. Dezember 2025 nach Bodø, wo sie gegen Bodø/Glimt antreten – ein Spiel, das nun nur noch um die Platzierung geht. Union Saint-Gilloise muss am gleichen Tag in Lissabon gegen Sporting CP gewinnen, um Hoffnung zu bewahren. Die letzte Runde am 18. Dezember bringt die finale Entscheidung.

Warum das alles wichtig ist

Dieses Spiel zeigt, wie die neue Champions-League-Struktur funktioniert: Keine festen Gruppen mehr, sondern eine lange, durchmischte Phase. Jeder Punkt zählt. Jedes Spiel ist ein Kampf. Und für kleine Vereine wie Union Saint-Gilloise bleibt die Chance, sich zu qualifizieren – aber nur, wenn sie perfekt spielen. Galatasaray hat bewiesen: Auch aus dem Abgrund kann man zurückkehren. Mit Charakter. Mit Teamgeist. Mit einem Kopfball in der 78. Minute.

Frequently Asked Questions

Wie viele Punkte braucht man, um in die KO-Phase der Champions League 2025 zu kommen?

In der neuen Formatierung der Champions League 2025 reichen 11 Punkte, um praktisch in die Top 24 einzuziehen. Galatasaray erreichte mit dem Sieg 12 Punkte und ist damit sicher qualifiziert. In der vergangenen Saison waren 10 Punkte oft ausreichend – diesmal ist die Konkurrenz härter, weshalb 11 als sichere Marke gelten.

Warum spielte Galatasaray ohne Osimhen und Gündogan?

Victor Osimhen fehlte wegen einer Oberschenkelverletzung, die er im Training vor dem Spiel zog. Ilkay Gündogan spielte – und erhielt sogar eine Gelbe Karte. Verletzt waren dagegen Wilfried Singo und Mario Lemina. Die Sperren von Eren Elmalı und Metehan Baltacı resultieren aus dem laufenden Wettskandal in der Türkei, der auch mehrere andere Vereine betrifft.

Wie hat sich Union Saint-Gilloise in dieser Saison geschlagen?

Union Saint-Gilloise hat bisher nur vier Punkte gesammelt und steht auf Platz 28 von 36 Mannschaften. Sie verloren alle drei Auswärtsspiele, gewannen aber ein Heimspiel gegen FC Porto. Ihre Chancen auf den Playoff-Platz hängen nun von zwei Siegen und einem ungünstigen Ergebnis gegen Sporting CP ab.

Was bedeutet der Sieg für Trainer Okan Buruk?

Für Buruk ist die Qualifikation der größte Erfolg seit seiner Rückkehr nach Galatasaray. Er übernahm das Team nach einer Krise und baute es von Grund auf um. Mit dieser Leistung hat er seine Position gefestigt – und zeigt, dass er auch ohne Superstars erfolgreich sein kann. Sein Vertrag läuft bis 2027, und nun wird er als möglicher Nachfolger für den türkischen Nationaltrainer gehandelt.

Wie viele Zuschauer waren im Stadion?

Im Ali Sami Yen Spor Kompleksi waren 52.341 Zuschauer anwesend – ein vollbesetztes Stadion. Die Stimmung war laut, emotional, fast historisch. Es war der höchste Zuschauerschnitt seit der Saison 2021/22. Die Fans hatten seit Jahren nicht mehr so viel Grund zum Feiern.

Wurde das Spiel live übertragen?

Ja, die Partie wurde von DAZN in Deutschland, Österreich und der Schweiz live über DAZN 1 und DAZN 2 ausgestrahlt – auch über Sky, Vodafone und Magenta. Die Zuschauerzahlen lagen bei über 1,8 Millionen, ein Rekord für ein Champions-League-Spiel mit einem türkischen Verein seit 2019.